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Der schlechtgefesselte Prometheus: Mythologische Parodie im Paris des Fin de Siècle über Freiheit, Schuld und existenzielle Ironie
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 (Buch) |
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| Der schlechtgefesselte Prometheus, 1899 erschienen, ist eine knappe, irritierend moderne Sotie: Gide versetzt den titanischen Feuerbringer in ein Paris der Boulevards, Cafés und zufälligen Begegnungen. Prometheus trägt keinen erhabenen Mythos mehr, sondern einen schlecht befestigten Adler, Sinnbild einer Idee, Schuld oder inneren Notwendigkeit, die ihn zugleich quält und definiert. In parodistischer Prosa, zwischen philosophischem Dialog, Farce und symbolistischer Erzählung, zerlegt das Buch heroische Gewissheiten und bereitet Gides spätere Reflexionen über Freiheit und moralische Selbsttäuschung vor. André Gide (1869-1951), geprägt von protestantischer Strenge, symbolistischen Kreisen und einer lebenslangen Revolte gegen erstarrte Normen, schrieb dieses Werk in einer Phase ästhetischer und ethischer Selbstprüfung. Seine Reisen, seine Auseinandersetzung mit Nietzsche und der Wunsch, das Ich von ererbten Bindungen zu lösen, klingen in Prometheus' ambivalenter Befreiung mit. Der Mythos wird für Gide zum Labor, in dem Verantwortung, Begierde und die Verführung abstrakter Ideale beobachtet werden. Empfohlen sei dieser Text Leserinnen und Lesern, die kurze Formen mit grosser gedanklicher Dichte schätzen. Wer in Gide nur den Moralisten oder Nobelpreisträger sucht, entdeckt hier einen spielerischen, bissigen Vorläufer des modernen Antiromans. Der schlechtgefesselte Prometheus belohnt aufmerksame Lektüre durch Witz, Schärfe und die beunruhigende Frage, ob man seine Ketten nicht bisweilen selbst nährt. |
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